Der Hass der Musikindustrie

April 11, 2007

Die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz hat einen Guide online gestellt, rund ums Thema Download von Filmen und Musik aus dem Internet. Auf die verflixte Frage nach der Rechtslage kann man dort folgendes Lesen, was der Musik- und Filmindustrie die Haare zu Berge stehen lassen dürfte:

„…die überwiegende Mehrheit der Juristen im Gebiet des Urheberrechts geht davon aus, dass der Konsument gratis Musik und Filme aus dem Internet downloaden darf. Unabhängig davon, ob es sich um legale Angebote oder um illegale Tauschbörsen handelt. Denn, so die Juristen, es könne nicht Ihnen als Konsument zugemutet werden, aus der Vielfalt von legalen und illegalen Angeboten zu unterscheiden. Ein Gerichtsurteil gibt es noch nicht, da es noch zu keinem Klageverfahren gekommen ist. Vermutlich schätzt auch der Verband der Unterhaltungsindustrie IFPI die Chancen als gering ein. Das neue Urheberrechtsgesetz ändert nichts daran.“

Und weil es so schön ist, gleich nochmal: Es kann mir nicht zugemutet werden, zwischen legalen und illegalen Angeboten zu unterscheiden!

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TV-Serien – deutsche Sender, nein danke

Januar 9, 2007

Jack is back – nur dummerweise dieses Jahr eine Woche zu früh. US-Sender FOX strahlt am kommenden Sonntag/Montag (14.1. und 15.1.2007) die ersten vier Episoden der neuen sechtsen Staffel der Hitserie „24“ aus. Topquoten sind garantiert, wenn Jack Bauer auf ein Neues Amerika vor bösen Terroristen retten muss. Dummerweise sind die Episoden bereits seit Tagen im Netz zum Download verfügbar, was zu einem neuen Riesenrummel um Torrents, Downloads und die Filmindustrie geführt hat. Zentrale Frage: Schaden die Downloader der Serie 24, wenn sie sich aus dem Netz bedienen?

Nein. Die Marketing-Maschine von FOX wird es mit Trailern und Prequels  auch dieses Mal schaffen, gute Quoten zu erzielen. Und mit der Diskussion ums Downloaden ist 24 grad noch mehr Medienpräsenz garantiert. Und das TV-Episoden nach der US-Ausstrahlung zum Download bereit gestellt werden, gehört mittlerweile zum Standard. Das gilt für alle US-Serien, nicht nur 24.

Besonders Zuschauer im deutschen Sprachraum (also dem Einflussbereich von RTL, RTL 2, Sat1, Pro7) sind betreffend US-Serien brutal benachteiligt. Ein Jahr nach der Premiere in den USA finden Lost, Desperate Housewives, CSI… den Weg zu uns. Meist zu dem Zeitpunkt, wo in Amerika schon die folgende Staffel beginnt und Fansites und Foren voll sind mit Diskussionen um die aktuellen Folgen. Und die Deutschen? Über die aktuellen Folgen kann man im Internet zwar lesen, aber sehen? Nein, bitte ein Jahr oder länger warten!  Es käme doch keinem deutsche Sender in den Sinn, kostbare Sendeplätze von „Einsatz in vier Wänden“ zu Gunsten von Prison Break oder 4400 zu räumen. Und wenn die Serie dann ausgestrahlt wird, dann natürlich nur in der deutschen Synchro. Häufig werden auch die letzten Sekunden einer Episode beschnitten, um mehr Klingeltonwerbung zeigen zu können. Werbeblöcke werden willkürlich gesetzt und nicht dort, wo es die Dramaturgie des Drehbuchautors vorgesehen hat. Manche Serien sind zudem in der Synchro nicht sehbar. Die Dialoge in „Bones“ tönen derart hölzern, dass die Serie nur in der Originalfassung geniessbar ist. Also wenn wunders, wenn immer mehr Zuschauer entweder auf die DVD warten oder ins Netz ausweichen.


Feindbild YouTube

November 2, 2006

Nach der Musikindustrie und der Filmbranche treten nun die nationalen und internationalen Sportverbände an, Social Networking Plattformen von Inhalten zu säubern, die eine Verletzung der Urheberrechte darstellen. Verschiedene Rechtinhaber aus Europa und den USA haben YouTube in der vergangenen Tagen aufgefordert, mehrere zehntausend Clips aus dem Angebot zu entfernen. Für Rechtstreitigkeiten hat die neue YouTube-Besitzerin Google schon mal locker 500 Millionen Dollar auf die Seite gelegt.

Klar handelt es sich bei den meisten Sportclips um Material von TV-Stationen, für welches die YouTube-User kein Verbreitungsrecht haben. Liest man die Medienberichte der letzten Tage scheint dies jedoch nur ein kleineres Problem für FIFA und Co. zu sein. Schlimmer wiegt, dass hier Leute ohne horrende Lizenzgebühren bezahlt zu haben, Ausschnitte aus Sportübertragungen der breiten Allgemeinheit zugänglich machen. Den Sportverbänden geht also hauptsächlich ums Geld, wobei die Liveübertragungen im TV kaum durch Ausschnitte auf YouTube bedroht werden. Die Industrie der Sportverbände sollte sich mal überlegen, ob sie nicht lieber ein gewisses Mass an Rechteverletzungen in Kauft nimmt und dafür neue Sportbegeisterte gewinnen kann, welche Tickets für die Stadien lösen oder die (teuer bezahlten) Live-Übertragungen im TV schauen. Aber wer nur kurzfristig abzocken will, der denkt natürlich nicht so weit.


Musikindustrie: Oldies sind „Goldies“

Oktober 31, 2006

wurlitzer.jpgLangsam scheint sich die Musikindustrie damit abzufinden, dass sie ihre Produkte auch online anbieten muss. Dabei geht es längts nicht mehr nur um die aktuellen Hits von Madonna oder Slipknot. Musikkonzerne wie Universal Music oder Sony BMG sind dabei auch Oldies aus fast längst vergangenen Zeiten digital übers Internet zugänglich zu machen. Die Verkaufszahlen erster Testangebote liegen über den Erwartungen der Industrie. Zudem hofft die Industrie auch neue Kunden anzusprechen, im Visier sind dabei ältere Surferinnen und Surfer, welche sich die Hits ihrer Jugend nun in digitaler Qualität aus dem Netz holen können. Bei der Neuverwertung der alten Songs schlagen den Konzernen allerdings zum Teil die Verwertungsrechte ein Schnippchen: Jahrzehnte nach dem ersten Erscheinen der Alben fällt es den Unternehmen oftmals schwer, die Genehmigung aller Beteiligten oder gar ihrer Erben einzuholen. Es käme doch der Industrie nie in den Sinn, die Songs ohne die Genehmigung der Rechteinhaber zum Download bereit zu stellen, oder?