Präventive Selbstzensur für fiktive Gewalt

Februar 22, 2007

So musste es ja mal kommen. Unser Lieblings-Terroristenschreck Jack Bauer aus der Hit-Serie 24 hat über die Stränge geschlagen und einen Zuschauer des Schweizer Fernsehens derart erbost, dass dieser seine Waffe – in der Schweiz auch Beschwerderecht genannt – gezogen hat und schonungslos die SF-Verantwortlichen attackiert hat. Seiner Meinung nach war die Serie 24 gemäss RTVG unzulässig, weil sie mit gewaltverherrlichenden Szenen, Folter und billiger Schwarz-Weiss-Malerei arbeite. Ja Jack, immer voll auf die Fresse!

SF war von dieser Attacke offenbar so eingeschüchtert, dass das Richtlinienpapier „Gewaltdarstellungen im fiktionalen Programm des Schweizer Fernsehens“ mit einem Grundsatz ergänzt wurde, der die Menschenwürde und die Menschenrechte auch in fiktionalen Programmen wie Serien und Spielfilme wahren soll. Im Gegenzug verzichtete der Beschwerdeführer darauf, ein Verfahren bei der unabhängigen Beschwerdeinstanz UBI einzuleiten. So berichtet es persoenlich.com.

Präventive Selbstzensur ist das, nichts anders. Bedeutete das, dass die sechste Staffel von 24 nicht mehr gesendet wird? Oder wenn doch, etwa nur noch zensuriert? Werden in Zukunft bei SF grundsätzlich Gewaltdarstellungen in Serien und Filmen weggeschnitten, weil eventuell jemand die Menschenwürde in Gefahr sehen könnte? Dann müssten so ziemlich alle populären Serien wie Lost, Desperate Housewives und sogar der rabiate Dr. House denn Bildschirm verlassen. Zu verdanken haben wir dies selbsternannten Moralaposteln, welche nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden wollen. Und natürlich auch den TV-Sendern, welche brav kuschen. So ein Verhalten kommt mir irgendwie bekannt vor, wir erleben dies auch wenn es um den „Kulturstreit“ mit hier lebenden Muslimen geht.

Wenn SF wegen der Beschwerde eines einzelnen Zuschauers derart in die Knie geht, hat dieser Betrieb seine Legitimation als öffentlich-rechtlicher Sender, der mit Gebührengeldern finanziert wird, endgültig verloren. Gerüchten zu Folge soll Jack Bauer in einer der nächsten Staffeln mal am Leutschenbach aufräumen…


Mehr Druck auf die SRG

November 9, 2006

Die SRG als staatlich zementierter Monopolbetrieb kommt immer mehr unter Beschuss. Aktuell geht es um den Ausbau beim digitalen Radio. Was es nun endlich braucht ist eine öffentliche Debatte, was für eine Medienlandschaft im TV und Radiobereich wir in der Schweiz in Zukunft wollen: Monopolbetriebe mit staatlichem Segen oder einen freien Markt mit gleichlangen Spiessen für alle.  Als Startschuss für diese Diskussion schlage ich eine Arena-Sendung vor, in der SRG-Bosse, Politiker und auch TV-Konsumenten zu Wort kommen. Selbstkritik und eine öffentliche Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und Verantwortung hat noch keinem Unternehmen geschadet – aber vielleicht ist die SRG ja auch kein Unternehmen sondern nur ein verkappter Staatsbetrieb.


SVP will SRG abschaffen

November 7, 2006

Ich bin ja weiss Gott kein SVP Anhänger mehr. Aber als ich heute mittag den persoenlich.com Newsletter gelesen habe, hat mir Ueli Maurer aus der Seele gesprochen: Die SVP will sich gegen Gebührenerhöhungen wehren und in letzter Konseqeuenz sich auch für die Abschaffung der SRG stark machen. Den Service Public will Maurer über Leistungsaufträge an die Privaten sicherstellen, ähnlich wie bei der Telekommunikation.

Die Sache hat nur zwei Haken: Erstens müssten die Hindernisse für Private TV-Anbieter endlich aus dem Weg geräumt werden. Diese werden jedoch mit der aktuellen Revision des RTVG neu zementiert – also erstmal wenig Hoffung. Und zweitens gehören zu einem Service Public nicht nur Information und Kultur, wie es die SVP vorschlägt. Gute Unterhaltungssendungen, Spielfilme und TV Serien gehören ebenfalls in ein ausgewogenes Fernsehprogramm.

Doch auch ein rein privates Fernsehen mit Vollprogramm in der Schweiz wird nur eine Übergangslösung sein. Spartenkanäle und Fernsehen „on-demand“ TV sind auf dem Vormarsch, die Lancierung von Bluewin-TV ist hierbei nur ein weiterer Schritt.